Vor einigen Jahren waren sie noch eine absolute Seltenheit, heute sehen wir sie immer häufiger: Tiny Houses. Der Charme der XXS-Häuschen hat auch die Deutschen erfasst, sodass mancherorts sogar ganze „Siedlungen“ entstehen. Was macht den Reiz dieser besonderen Behausungen aus? Und ist es so einfach, an ein Tiny House zu gelangen?
Warum Tiny Houses für viele so attraktiv sind
In Anbetracht der steigenden Immobilienpreise sind die Kosten für ein Tiny House vergleichsweise günstig. Auf diese Wohnform spezialisierte Anbieter haben Modelle für gerade mal 38.000 Euro im Portfolio. Selbstverständlich gibt es auch weitaus teurere Varianten – doch wer Geld sparen muss oder möchte, findet bei einem Tiny House reichlich Potenzial.
Neben dem finanziellen Aspekt gehören die Mikrohäuser aber auch einer bestimmten Lifestyle-Bewegung an. Viele Tiny House Eigentümer verzichten bewusst auf Überflüssiges und reduzieren ihren Besitz auf das Wesentliche. Für sie bedeutet das umso mehr Freiheit, Selbstverwirklichung und Erleichterung des Alltags.
Die meisten Tiny Houses tragen zur Entlastung der Umwelt bei, da sie wenig Ressourcen verbrauchen und teilweise sogar vollkommen autark sind.
Wichtig ist aber: Tiny House Besitzer dürfen nicht automatisch mit Öko-Aussteigern, Konsumverweigerern oder Idealisten gleichgesetzt werden. Vielmehr geht es um ein individuelles Wohnkonzept, das in der heutigen rasanten Welt für viele Entschleunigung bedeutet.
Für wen sich Tiny Houses eignen
Kurz gesagt: für (fast) jeden! Zahlreiche Beispiele beweisen, dass sogar ganze Familien in einem Tiny House leben können – vorausgesetzt, das Häuschen ist top organisiert.
Eine Studie des Innenministeriums aus dem Jahr 2023 gibt Aufschluss darüber, wer in Deutschland am häufigsten in Tiny Houses anzutreffen ist: Vor allem Frauen interessieren sich für diese Wohnform (67 %). Die Altersstufen sind zwar bunt gemischt, doch insbesondere Menschen im Alter von 31–40 Jahren und 51–60 Jahren finden Gefallen am minimalistischen Lebensstil. Die meisten der Tiny House Interessenten arbeiten laut der Studie im Gesundheitswesen, im Sozial- und Kulturbereich oder sind bereits Rentner.
Falls Kinder mit im Tiny House leben, gibt es meist einen kleinen Anbau oder zumindest einen abgetrennten Wohnbereich, um etwas Privatsphäre zu schaffen. Allerdings machen Familien mit 3 oder mehr Personen nur einen Anteil von 3 % der Gesamtnachfrage aus. Überwiegend bewohnen Einzelpersonen die Tiny Houses (76 %).
Die größte Hürde: Behörden & Genehmigungen
Tiny Houses sind kein klarer Teil der geltenden Regelwerke im Bauwesen – sodass Verwaltungen und Behörden hier schnell an ihre Grenzen kommen. Grundsätzlich sind die Häuschen hinsichtlich der Genehmigung zwar klassischen Einfamilienhäusern gleichgestellt. Allerdings kommen Tiny Houses nicht selten mit einigen Besonderheiten daher (bspw. Wärmeschutz, Einordnung Gebäude oder Fahrzeug, Erschließung, Brandschutz), was zu langatmigen Prüfungen führen kann.
Laut der Studie sehen auch örtliche Politiker häufig Probleme bei der Integration von Tiny Houses. Hier entfalten sich dann Diskussionen über den Bruch mit traditionellen Bauweisen oder die Veränderungen des soziokulturellen Gefüges.
Um für diese Hürden besser gewappnet zu sein, haben sich bereits zahlreiche Menschen zu Verbänden und Vereinen zusammengeschlossen. Die Suche nach geeigneten Grundstücken und die Kommunikation mit Behörden lässt sich so oft leichter bewerkstelligen.